Mit dem Spiel beim Aufsteiger EV Ravensburg traf der ERC auf ein unbeschriebenes Blatt. Die Oberschwaben konnten auf vier Reihen zurückgreifen und hielten das Tempo hoch. Dennoch konnten sich die Lecher zu Recht etwas ausrechnen, um den ein oder anderen Punkt aus der DEL2-Arena mit an den Lech zu entführen. Dass dieses Vorhaben am Ende nicht gelang, müssen sich die Flößer selbst zuschreiben.

Der ERC begann mit Vorwärtsdrang und setzte den EVR gleich gehörig unter Druck, wobei die Angriffe nicht zielstrebig genug waren und bei beiden Mannschaften Nervosität zu spüren war. Es war auch gleich Feuer in der Partie, was bereits in der 3. Minute zu den ersten Strafzeiten für beide Teams führte. In der 5. Minute konnte Anton Rauh in Unterzahl die Scheibe abfangen, allein auf Röder im Tor der Hausherren laufen und kompromisslos zum 0:1 für die Ostallgäuer einnetzen. Die Lecher zeigten ein gutes Penaltykilling, doch war die Anzahl der Strafminuten erneut deutlich zu hoch. Ravensburg hatte dadurch mehrere Überzahlspiele, arbeitete sich mehr und mehr in das Match hinein und gewann an Sicherheit. In der 14. Minute hatten die Lecher gleich drei hochkarätige Chancen nacheinander, doch ohne Wirkungstreffer. Zwei Minuten später, Lechbruck in Überzahl, ein Scheibenverlust und Gabriel Larivière-Piché konnte mit letztem Einsatz einen Ravensburger Alleingang auf das von Patrick Dietl gehütete ERC-Tor entschärfen. Kurz darauf dann ein völlig unnötiger Scheibenverlust an der eigenen blauen Linie, welche der EVR zum etwas überraschenden Ausgleich durch Adrian Kirsch nutzen konnte. Statt mit einer durchaus möglichen höheren Führung in die erste Pause zu gehen, stand es nach den ersten zwanzig Minuten 1:1.

Auch in den zweiten Abschnitt gingen die Lecher zunächst tonangebend, zogen aber wieder Zeitstrafen, die die Offensivaktionen ausbremsten. Ravensburg war der Nutznießer, als Steffen Kirsch in der 23. Minute die Hausherren im Powerplay mit 2:1 in Führung schoss. Postwendend schlugen die Flößer zurück: Anton Rauh bediente Christoph Pfeiffer, der Röder keine Chance ließ und den Ausgleich herstellte (24.). Der ERC nahm nun das Heft in die Hand und stürmte auf das Heimtor. Die Chancenverwertung ließ allerdings zu wünschen übrig. Und es folgten weitere Strafzeiten, welche Ravensburg erneut nutzte und durch Gutekunst in der 29. Minute auf 3:2 erhöhte. Das zeigte bei den Allgäuern Wirkung, die sich in der Phase durch viele Fehlpässe und Unkonzentriertheiten selbst im Weg standen. Und Ravensburg setzte jetzt durch einen Doppelschlag noch einen drauf: Das 4:2 durch Mezler und das 5:2 durch Schönauer waren schöne Geschenke, die die Oberschwaben gerne annahmen (33.). Der ERC brauchte jetzt einige Minuten, um sich den euphorischen Angriffsaktionen der Ravensburger erfolgreich zur Wehr zu setzen. Der Treffer zum 6:2 durch Lagoda in der 39. Minute konnte aber nicht verhindert werden, umso schwerer war der Gang für die Flößer in die Kabine.

Im letzten Drittel zeigte der ERC wieder sein besseres Gesicht und war durchgehend Herr der Lage. Maxime Danis scheiterte in der 47. Minute mit einem Alleingang am guten EVR-Keeper Röder. Lechbruck mit starkem Offensivdrang, konnte die zahlreichen Chancen nicht nutzen. Gleichzeitig wurde das Spiel nun ruppiger: Philipp Birk wurde in der 51. Minute mit einem Crosscheck niedergestreckt, mußte verletzt ausscheiden, Strafe für den Gegner gab es keine. Beide Mannschaften teilten nun ordentlich aus, wobei es höchst unterschiedliche Auslegungen des Schiedsrichtergespanns auf beiden Seiten gab. Harter, aber fairer Körpereinsatz wurde gepfiffen, klare Fouls dann wieder nicht. So auch geschehen in der 57. Minute: Zuerst ein harter Check eines Flößers an einem Ravensburger, nicht geahndet. Dann prompt im Gegenzug ein übler Crosscheck an Marius Hack im anderen Drittel. Hack blieb einige Minuten auf dem Eis liegen und wurde durch die Sanitäter versorgt. Zum Glück hatte es zunächst schlimmer ausgesehen als es dann war. Marius Hack nach dem Spiel: „Wenn ich mich da nicht noch so gut es ging von der Bande wegdrehe, dann jagt es mich kopfvoraus in die Bande!“. Infolgedessen erhielten sowohl der EVR als auch der ERC jeweils zwei Strafminuten. Am Ende reichte die Zeit nicht mehr und auch die Durchschlagskraft war an diesem Abend seitens der Lecher einfach zu schwach, um das Ergebnis vielleicht noch drehen zu können. Mit einer unnötigen 2:6-Packung ging damit die Reise wieder zurück an den Lech.

Fazit: Ein schwaches zweites Drittel und viele Strafzeiten verhinderten einen Erfolg des ERC in Ravensburg. Vorstand Sitter kommentierte: „Das sind verlorene Punkte, die uns weh tun. Wir hatten jetzt heute nicht unseren besten Tag, waren aber eigentlich über zwei Drittel dennoch die bessere Mannschaft. Das zweite Drittel von uns war hingegen einfach schlecht, so können wir uns nicht präsentieren. Jetzt schauen wir nach vorn: Wir haben endlich Eis in Lechbruck, am Sonntag gibt es ein Extratraining und wir kommen nach zwei Monaten „Nomadenleben“ nun in unser eigenes Umfeld und in den gewohnten Rhythmus. Nächste Woche haben wir zwei Spiele, da müssen wir punkten.“

Nächste Spiele:
Fr., 03.11.2023, 19:15 Uhr: EV Fürstenfeldbruck – ERC Lechbruck
So., 05.11.2023, 17:00 Uhr: ERC Lechbruck – SC Forst

Spielstatistik: EV Ravensburg – ERC Lechbruck 6:2 (1:1; 5:1, 0:0)

Torfolge:
0:1 (04:10) Anton Rauh (4-5 SHG)
1:1 (17:18) Adrian Kirsch (4-5 SHG)
2:1 (22:45) Steffen Kirsch (Dominik Fehr, Johann Katjuschenko) 5-4 PPG
2:2 (23:37) Christoph Pfeiffer (Anton Rauh)
3:2 (28:36) Marco Gutekunst (Philipp Heckenberger) 5-4 PPG
4:2 (32:29) Marcel Mezler (Johann Katjuschenko, Steffen Kirsch)
5:2 (32:51) Luca Schönauer (Steffen Kirsch)
6:2 (38:52) Lorenz Lagoda (Adrian Kirsch, Ludwig Valenti)

Strafminuten:
EVR 22, ERC 18

Zuschauer:
122